Eine etwas mühsame Sache

Wer in seinem Leben je neugierig wird, fragt: Wie ist es? und staunt, wie schnell hier und dort wohlfeile Antworten zur Hand sind. Doch alle werden sie merkwürdig schnell hohl, weil sie ideologische Konstruktionen sind und den Blick darauf verstellen zu sehen, wie es ist.

Wer begriffen hat, dass die wohlfeilen Antworten zwar die beruhigenden, noch nicht aber die richtigen sind, fragt weiter: Wie ist es wirklich? Jetzt tauchen beunruhigendere Antworten auf, die mit der Zeit die Ideologien zersetzen, später gar die eigene Welt.

Jetzt kommen die Zweifel, zwischenhinein das Verzweifeln, dann die Frage: Ist das, was ich sehe, überhaupt wirklich? Die einen antworten an diesem Punkt mit nein und begnügen sich fürderhin mit dem Trost: Je blinder ich mich stelle, desto schöner wird die Welt, die ich mir vorstelle. Die anderen jedoch sagen: Doch, was ich sehe ist wirklich genug, um zu fragen: Wie ist es?

Das heisst: Von der Ideologieproduktion führt der Weg zur Problematisierung der Wirklichkeitswahrnehmung und von dort zurück zur Ideologieproduktion oder zur Realitätsflucht.

Eine etwas mühsame Sache, dieser Wahrnehmungskreislauf. Schon weil die meisten wenig davon halten, Wege zu machen ohne Auto, sind sie damit zufrieden, dass sie fraglos issen, wie es ist.

(10./13.06.1993; 27.11.+02.12.2017; 06.07.2018)

 

Nachtrag

Wozu auch Wege machen? Sie führen ja, wie gezeigt wird, im Kreis. Und zwar nicht nur im Kopf, sondern auch in der Welt, wo auch die wegloseste Neugier zum Parkplatz zurückkehrt. Wie sonst käme man schliesslich wieder nach Hause?

(09.11.2001; 21.01.2018; 06.07.2018)

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