Abschied vom Echsenland

Jetzt, bald anderthalb Jahre, nachdem der Gedichtband «Echsenland» erschienen und in der Öffentlichkeit untergegangen ist wie ein zwei-, dreimal schiefernder Stein im Wasser versinkt – jetzt geht es für mich darum einzusehen, dass das, was mein Wesen ausmacht, das, was ich in den 52 Jahren geworden bin, das, worüber ich in einem authentischen Sinn reden könnte, nicht von derartigem Interesse ist, dass ich als Quereinsteiger in den Literaturbetrieb auch nur die kleinste Chance bekommen hätte (was mir zu beweisen war).

Ich stehe für nichts, das in einer marktfähigen Weise interessieren würde (was mich, wie mir andererseits scheint, eigentlich ehrt). Das Zeitfenster, das ich für das Experiment «Ich werde öffentlich wahrnehmbarer Dichterling» reserviert habe, hat sich sanft geschlossen. Jetzt weiss mein Erfahrungswissen, was mein spekulativer Geist schon lange wusste: Entweder gehe ich einen Weg, der mein authentisches oder einen, der ein öffentliche Reden ermöglicht. Letzteres ist mir als freiem Journalisten weiterhin möglich, wird allerdings von Jahr zu Jahr schwieriger: Freier Journalismus ist zum Hangeln von Auftragsnische zu Auftragsnische geworden über dem Abgrund der Langzeitarbeitslosigkeit.

(18.06.2006; 28.02.2008)

 

Nachtrag

Dieses Werkstück entstand in der Zeit, in der ich vor allem für den Rotpunktverlag – als Mitherausgeber der C. A. Loosli-Werkausgabe (2006-2009) – arbeitete und so ein bescheidenes, regelmässiges Einkommen hatte (2000.-, später 2500.- Franken brutto/mtl.). Nach der Wideraufnahme des freien Journalismus als Haupttätigkeit wurde bald klar, dass die im Werkstück erwähnten Auftragsnischen in kurzer Zeit sehr klein geworden waren. Türen öffneten sich keine mehr und jene, die mir bis 2006 offengestanden hatten, begann sich langsam zu schliessen.

Weil ich 2015 einerseits im Auftrag der Christoph Geiser-Stiftung den Nachlass des Schriftstellers Walter Vogt im Schweizerischen Literaturarchiv aufarbeiten und etwas für diesen fast vergessenen Autor tun, andererseits im Auftrag der Gemeinde Adelboden am zweiten Band der Dorfchronik mitarbeiten wollte, beendete ich Ende 2014 meine Karriere als freier Printjournalist. Die zeitweilige Mitarbeit beim Berner Onlinemedium Journal B seither ist für mich ein kultur- und medienpolitisches Engagement, in dessen Rahmen ich meine journalistische und redaktionelle Arbeitskraft zur Verfügung stelle. Wenn ich mich auch heute noch als Journalist bezeichne, dann meine ich damit genau genommen nicht mehr einen Beruf, sondern meine Schreibhaltung im Grenzgebiet, in dem sich niemand gestört fühlt, wenn ich weiterhin ab und zu ein Gedicht schreibe.

(21.+29.03.2018)