Postdemokratie

Im 19. Jahrhundert standen lokal oder regional dominierende Fabriken im Dienst einer nach Demokratie strebenden nationalen Politik.

Heute stehen nationale Demokratien im Dienst der nach weltweiter Macht strebenden transnationalen Konzerne.

Konstant geblieben ist dies: Die Demokratie hört nach wie vor an den Fabriktoren auf.

Und neu dies: Damals gingen die Fabrikarbeiter jeden Tag durch diese Tore hinein, heute kommen die Nationalstaaten durch diese Tore nicht mehr heraus.

(17.3.1995; 31.8.2005; 30.10.2017)

Das Werkstück trug bisher den Titel «Kopfrechnung» und am Schluss stand der Einwortsatz: «Rechne.» Weil mir jetzt scheint, es gebe bei diesen Zeilen eigentlich nichts zu rechnen, habe ich einen treffenderen Titel gewählt, den ich allerdings weder 1995, noch 2005 hätte setzen können. Der Begriff «Postdemokratie» ist erst 2008, nach dem Erscheinen des gleichnamigen Buches von Colin Crouch in deutscher Sprache (englisch: 2004) gebräuchlich geworden. (30.10.2017)

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