Kleine Differenz

Die bezähnte Natur ist zur bezähmten Natur geworden.

(02.05.1991)

 

Nachtrag

Gut gemeint. Ein auf instruktive Weise gescheitertes Wortspiel. Was ich vermutlich sagen wollte, ist dies: Während in der Menschheitsgeschichte Natur bisher immer auch das Feindliche, Wilde, unkontrollierbar Zubeissende gewesen ist, ist sie heute hierzulande zahnlos, Naherholungsgebiet, von Fall zu Fall eintrittspflichtig.

Bloss ist die «gezähnte Natur» keine geläufige historische Redewendung, wie es der Aphorismus insinuiert. Die «Natura dentata», an die ich vermutlich gedacht habe, findet sich mit der elektronischen Suchmaschine heute zwar – aber die paar Nennungen beziehen sich allesamt auf den Titel einer Ausstellung im Kulturhuset Stadsteatern Stockholm von diesem Frühling. Geläufig ist die Wendung demnach nicht.

Was ich vermute: Sigmunds Freuds Begriff der «Vagina dentata», den ich damals gelesen haben mag, ist in meinem Kopf zur «Natura dentata» geworden – zur «bezähnten Natur». Ein Versehen, das als Projektion gedeutet aus freudianischer Sicht immerhin einiges über mich aussagen wird.

(30.10.2017)

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