Arbeitspapier zu einem Modebegriff

1986 begann ich mich einzulesen in die Diskussion um einen Begriff, der damals immer mehr in Mode kam: «Postmoderne». Zwar wurde er auf der WoZ-Redaktion, meinem Arbeitsort, bloss als Kampfbegriff einer intellektuellen Gegnerschaft betrachtet und verwendet. Mir schien, dass er für gesellschaftliche Veränderungen stehe, die auch ich damals beobachtete. Darum war ich zunehmend der Überzeugung, unsere Zeitung müsse der Auseinandersetzung um diesen Begriff eine Diskussionsplattform bieten.

Deshalb verfasste ich während der freien Tage zum Jahreswechsel 1986/87 ein «WoZ-internes Diskussionspapier», wie ich es nannte. Weil ich Anfang Januar 1987 krank wurde, brachte es mein damaliger Arbeitskollege in der WoZ-Redaktionsstelle Bern, uf, nach Zürich und lieferte es auf der dortigen Kulturredaktion ab. Weder haben mich die KollegInnen in Zürich je auf dieses Papier angesprochen, noch bin ich selber später je darauf zurückgekommen (Stolz, Konfliktunfähigkeit, Unsicherheit – oder gab es für uns einfach Wichtigeres?).

Hier taugt es als Momentaufnahme, wie ich den Begriff «Postmoderne» damals wahrzunehmen begann.

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« 1. Wer braucht in diesen Wochen den Begriff ‘Postmoderne’ wie?

Für die Medienschaffenden ist der Begriff ‘Postmoderne’ in diesem Herbst zu einem modischen Schlagwort avanciert. Seine disperse Konnotation weist auf die Theorieschwäche diesem Begriff gegenüber hin, wie sie zurzeit im deutschsprachigen Raum (noch) vorherrscht.

• Bereits im Mai 1986 hat Max Frisch in seiner Solothurner Rede den Begriff der ‘Postmoderne’ als Schimpfwort gebraucht: ‘Und vernünftig ist, was rentiert. Man wünscht keine Zweifel, sondern Nostalgie und Seelenwanderung (indisch-amerikanisch) steht jedem Bürger frei und ist ein Schlager; die Garantie, dass unsere Seelen wandern, entschärft jede Menge atomarer Sprengköpfe. Alles in allem kein Anlass zur Panik und Revolte, nur Anlass zur Rüstung. Was sonst! Man wünscht keine Apokalypse (begreiflicherweise) und schon ist sie da: Heiterkeit der Post-Moderne!’ (Max Frisch: Am Ende der Aufklärung steht das Goldene Kalb, in: ders.: Schweiz als Heimat? Frankfurt am Main [Suhrkamp] 1990, S. 461f.). Frisch zeigt, wie ein politischer, an der Weltsicht von Brecht und den Frankfurtern geschulter Kopf auf die ‘Postmoderne’ reagiert: Er setzt sie einseitig mit Weltflucht und politischer Restauration gleich und markiert damit die Position, die auch wir uns bis heute geleistet haben. Die Frage ist, ob wir diese Position nicht in dem Masse differenzieren und weiterdenken müssten, in dem hier und heute die Welt von Brecht und den Frankfurtern nur noch als geschichtegewordene rezipiert werden kann.

• In einem Diskussionsbeitrag mit dem Titel ‘Was soll der Traum von der linken Einheit?’ zählt Daniel Vischer auf, was alles zur Linken gehört: ‘Repräsentieren die Linksparteien bestimmt nicht die Linke, fragt es sich zudem, ob feministische, libertäre, sozialistische, marxistische, anarchistische, postmodern urbane, ökologische und antiimperialistische (etc.) Positionen oder Kombinationen von solchen noch sinnvollerweise unter den Begriff die Linke subsummiert werden [können].’ (WoZ, Nr. 51/1986)

• In einem Aufsatz ‘Über die Tragik nicht nur der spanischen Linken’ postuliert Rafael de la Vega zur Neuorientierung ‘eine kühle objektive Analyse der theoretischen Grundlagen dieser Epoche des postindustriellen Kapitalismus.’ Er fährt fort: ‘Vielleicht sind doch die Linken selbst von den irrationalistischen, antiaufklärerischen, formalistischen Tendenzen der sogenannten Postmoderne nicht ganz verschont geblieben. Eine postmoderne Linke?’ (Düsseldorfer Debatte, Nr. 12/1986)

• Unter dem Titel ‘Ich zitiere, also bin ich’ berichtet Petra Kipphoff über Kunstausstellungen von James Lee Byars (Düsseldorf), Gerhard Merz (München) und Giulio Paolini (Stuttgart). Sie kommentiert: ‘[Sie] wissen sich gut aufgehoben im Ausstattungsladen der Postmoderne, wo Polyvalenz und Heterogenität herrschen und dank der ‘Mehrfachcodierung’, Zauberwort von Charles Jencks, alles nach Bedarf verfügbar ist. Ich zitiere, also bin ich. Wenn es nicht alles so gescheit wäre, könnte man fast den Verstand verlieren angesichts dieser Inszenierungen des Nichts, diese ‘gekonnt’ präsentierten Wahrheiten zweiten Grades.’ (Die Zeit, Nr. 47/1986)

• Reinhard Baumgart berichtet über Hans Neufels’ Inszenierung von Edward Bonds Stück ‘Gerettet’ in Berlin: ‘Die jungen Mörder treten auf in schönen, weissen, weiten Leinenanzügen, sadistische Dandys. Obwohl wir sie doch zwei Szenen vorher mit Plastikhelmen als Tiefbauarbeiter kennengelernt haben. Nichts muss noch stimmen. Anything goes. Wir befinden uns um Irrlustgarten der Postmoderne. […] Das Publikum reagierte an beiden Abenden am Ende teils höflich, teils gelähmt, teils durchaus animiert. Wer soll sich auch zurechtfinden in einem Theater, das die Unterschiede zwischen Avantgarde und Klamotte, Dandyismus und Dilettantismus derart elegant wegbügelt?’ (Die Zeit, Nr. 52/1986)

• In einem Bericht über die Jugendrevolte in Frankreich verwendet George Blume den Begriff ‘Postmodern[e]’ mehrmals wie folgt:

   – Er setzt den Terminus ‘postmodernistisch unpolitisch’ antagonistisch gegen ‘sozial und politisch hochexplosiv’.

   – Er spricht von der ‘postmodernen Fernsehwelt’ und präzisiert: ‘Frankreich entsprach wie sonst nur die USA dem Gesellschaftsbild der Postmoderne, in dem die Bildschirme und nicht mehr die soziale Realität die menschlichen Bedürfnisse diktieren.’

   – Er zitiert Félix Guattari: ‘Die Erklärungen der Postmodernen vom Tod des Sozialen, vom Ende der sozialen Ansprüche und dem Aufstieg des Individualismus erscheint heute als blanker Unsinn’, und zwar weil, wie Blume fortfährt, ‘die französische Jugendrevolte […] in einem postmodernen Kontext Widerstand entwickelt, dort, wo für viele Widerstand bereits unmöglich schien.’ (WoZ, Nr. 51/1986)

• Rea Brändle in einer Theaterbesprechung: ‘Hot lips, heisse Lippen – das sind in Peter Freiburghaus’ gleichnamiger Szenenfolge die beiden Teile eines Telefons, eines postmodern-gestylten Dings, und genauso schicky-ficky wie dieses neonrote Requisit auf der Bühne wirken auch die Dialoge, wie Sprechblasen, kaum zur Collage montiert, eher beliebig aneinandergereiht, entsprechend zufällig, ausfransend und oft sehr langweilig.’ (Tages-Anzeiger, 3.1.1987)

• [Der nächste Beleg betrifft ein Inserat der Uto-Testina AG aus dem Bund vom 13.1.1987, die insgesamt sieben Wohnungen an der Länggassstrasse 19 in Bern unter dem Titel ‘Postmoderne Wohnungen’ anpreist.]

2. Thesen in Auseinandersetzung mit: Burghart Schmidt: Postmoderne – Strategien des Vergessens. Darmstadt und Neuwied (Luchterhand) 1986

 

‘Was der Postmodernismus aufgreift, scheint Platz schaffen zu wollen für ein grosses geschichtliches Erinnern, und doch: die Ideologie der Postmoderne richtet darauf die verschiedensten Strategien des Vergessens.’ (S. 33)

• Postmoderner Weltbezug: Das Ende der ‘Grossen Erzählung’ (Jean-François Lyotard)

‘Postmoderne [ist] das Ende der leitenden Ideen, wie sie die Moderne bestimmt [haben].’ (S. 9) ‘Wenn Fortschrittsideologie zusammenbricht, muss etwas aufgegeben werden, was Lyotard im ‘Postmodernen Wissen’ die ‘Grosse Erzählung’ in der Geschichte und von der Befreiung nennt.’ (S. 57 [Zitat von Gérard Raulet])

• ‘Anything goes’ (Paul Feyerabend)

‘Stil darf nicht mehr sein, Modernität darf nicht mehr sein, Rationalität darf nicht mehr sein, Funktionalität darf nicht mehr sein, ob auch sonst alles Mögliche […] ‘Anything goes’ […] alles in Frage zu stellen, macht das Fragen nicht unborniert wertfrei, sondern wertlos.’ (S. 12f.) Dazu: ‘Wenn es sowieso unmöglich ist, Kausalbeziehungen eindeutig und endgültig zu bestimmen, wenn die Wissenschaft nur ein verkappter Irrtum auf Widerruf ist, wenn ‘anything goes’, woher wird dann das Recht genommen, an bestimmte Risiken zu ‘glauben’, an andere nicht?’ (Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Frankfurt am Main [Suhrkamp] 1986, S. 95f.)

• Der Systemgedanke des Strukturalismus

‘…der Motor des strukturalistischen Erkenntnisinteresses ist überall, wie es scheint: Kampf soll in verhandelnden Tausch umgetäuscht werden. Zwischen In-Put und Out-Put eines Systems die Black-Box: hier geschehe nur Uninteressantes…’ (S. 20)

• Die ‘Mehrfachcodierung’ der Postmoderne (Charles Jencks)

‘Man bediene die Massen mit dem, was sie ohnehin wollen, und das dürfte eine Mischung aus eklektizistischer Montage vergangener Formwerte und der Bilderwelt aus den Vergnügungsparks aller Länder sein und man bediene die Eliten der in Architektur Geschulten mit dem Raffinement der Konstruktion, weil sie sich nichts vormachen lässt in ihrer Aufgeklärtheit. Der Masse die metaphysische Metapher ohne verbindlichen Sinn, dem Kenner das intellektuelle Spiel ohne verbindlichen Sinn.’ (S. 21f.)

• [Das] ‘pluralistische, sich nicht berührende Nebeneinanderherspielen unendlicher Mengen von Sprachspielen’ (S. 12)

‘Die kritische Einstellung ist zugelassen als eine unter vielen möglichen Einstellungen und wird als solche eine privatisierte Angelegenheit, man darf miteinander reden, aber Streit soll nicht grundsätzlich sein. […] Standpunktlosigkeit […]’ (S. 26)

• ‘Simulation’ (Jean Baudrillard)

‘Die Massenmedien erzeugen entsprechend Wahrnehmungsfelder der Vortäuschungen, welche den Charakter einer neuen, jetzt inszenierten Wirklichkeit annehmen. In dieser Strategie des Vergessenmachens gibt es dann keine Möglichkeit mehr, auf eine dahinterstehende Wirklichkeit rückzuschliessen, die sich in den Informationsprozessen bloss vermittelt oder darin bloss übersetzt wird.’ (S. 46)

3. Zum Begriff ‘Postmoderne’

‘Wenn man unter Postmoderne einen Gesellschafts- und Kulturzustand versteht, der mehr ist als nur ein neuer Stil oder eine neue Sensibilität, und wenn man mit dem Begriff einen historischen Konstitutionszusammenhang zu fassen versucht, dann muss man auch aufgeschlossen genug sein, innerhalb dieser Postmoderne Widersprüche zu lokalisieren und kritische Momente auszumachen, anstatt sich auf die gute alte progressive Kunst bzw. die ebenso gute alte wahre Ästhetik zurückzuziehen.’ (Andreas Huyssen/Klaus R. Scherpe [Hrsg.]: Postmoderne. Zeichen eines kulturellen Wandels. Reinbeck bei Hamburg (rowohlt) 1986, S. 13).

‘Wir dürfen allerdings über die Postmoderne als gepredigtes und angewandtes Ideologieprogramm neuer Gemütlichkeit und neuer Anpassung inmitten neuer Krisen nicht vergessen, aus welchen Anstössen sie auflebte. In der Perspektive vereinheitlichter Ideologie mag sie voller Unsinnigkeiten stecken: Mitten in der Geschichte, mitten im Industrialismus, mitten im Kapitalismus wird uns gesagt, wir stünden mittlerweile jenseits der Geschichte, jenseits des Industrialismus, jenseits des Kapitalismus. Dennoch, bei allen Unsinnigkeiten im Umfeld der Post-Schlagwörter lässt sich die Postmoderne als Kategorie nicht umgehen, weil sie eingebürgert ist, sie lässt sich nur durchleuchten. […] Dabei mindestens ebenso wichtig wie die nationalen Unterschiede erweist sich eben der Unterschied zwischen der Postmoderne als sich zusammenballender Ideologie und den politisch-kulturellen Bewegungen, auf die man sie gewöhnlich bezieht. Dieser Unterschied zwischen dem Postmodernismus und den Postmodernitäten in postmoderner Atmosphäre ist näher zu betrachten.’ (Burghart Schmidt, wie oben, S. 63f.)

 ‘Postmoderne’ ist also kein abgeschlossenes philosophisches System und keine stringente Weltanschauung, aus der ein widerspruchsloses realpolitisches Programm folgen würde; lediglich lässt sich umgekehrt sagen, es gebe eine Ideologie der Restauration, die sich des Begriffs wie auch Teilen des Inhalts der ‘Postmoderne’ bediene.

‘Postmoderne’ ist ein intellektuelles Syndrom: in jedem historischen Augenblick, da mit dem Fortschrittsbegriff der Moderne sich beim Fussvolk des Überbaus auch ‘Geschichte’ und ‘Welt’ in Nichts aufzulösen beginnt, in dem Augenblick, da keine Alternative mehr möglich scheint zu dem, was hier und heute ist, wird dieser Ist-Zustand – und damit die unausweichliche Situation – immer mehr ausgeblendet. Als Ferment der Wegwerfhoffnungen durchwirkt ‘Postmoderne’ heute sämtliche Segmente des Überbaus (in den USA seit den 60er, in Frankreich seit den 70er, bei uns seit den 80er Jahren) und höhlt die Positionen aus, die Politik, Philosophie und Ästhetik der Moderne erreicht haben.

Wie der reformatorische Bildersturm, also die (materielle) Zerstörung des überkommenen Welterklärungsmodells, konstituierend für die geistesgeschichtlichen Umwälzungen des 16. Jahrhunderts war, so scheint heute, was unter dem Zeichen der ‘Postmoderne’ in Erscheinung tritt, das Welterklärungsmodell der Moderne in ihren ‘grossen Erzählungen’ (Lyotard) stürmen zu wollen. Die tragenden Begriffe moderner Weltsicht im ‘Überbau’ werden heute alle durch schiefe oder konträre Neu-Konnotationen ins Schillernde verwischt: Vernunft, Geschichte, Dialektik, Subjekt, Raum, Zeit, Sinn, Sprache etc.

Voreilig wäre es, die Postmoderne auf Gegenaufklärung oder auf eine ‘eklektizistische Fassaden-, Pastiche- und Zitatkunst’ zu reduzieren: ‘Postmoderne, so meine These, ist mehr und anderes als das, was heute unter diesem Slogan Konjunktur hat. […] Die Kultur der Postmoderne [ist zu sehen] ‘ als Gewinn und Verlust, als Versprechen und als Depravation.’ (Huyssen, wie oben, S. 13 + 26)

4. Die Auseinandersetzung um die ‘Postmoderne’ betrifft uns

Niemand von uns kann heute ernsthaft behaupten, das linke Denken – so wie wir es verstehen und betreiben – sei nicht in einer fundamentalen Krise: Nachdem jede Utopie, auf die wir unsere grundsätzliche Kritik beziehen könnten, respektive von der her wir unsere grundsätzliche Kritik legitimieren könnten, undenkbar geworden ist (geworden zu sein scheint?) nachdem ‘Utopie’ wie es scheint endgültig – sowohl geografisch wie ökonomisch – ortlos (und damit sinnlos?) geworden ist, können wir als Linke zwar nach wie vor allerlei relativ Intelligentes zu bedenken geben. Aber wir sind orientierungslos, solange wir nicht zwei Fragen klar beantwortet haben:

• Von woher formulieren wir unsere Kritik? (LEGITIMATION)

• Worauf zielt unsere Kritik? (UTOPIE)

Hier stecken die philosophischen Aporien unserer Arbeit: Wir täuschen uns mit resolutem Auftreten (oft auch nur mit pseudokritischen Maskentänzen, mit linksklingendem Gescheittun) in tagespolitischen Fragen über unsere tiefe, grundsätzliche Ratlosigkeit und Ortlosigkeit hinweg. (Dass das Läufelfinger Arbeitspapier sich ein gutes Jahr nach der internen Niederschrift als umstrittenes Diskussionspapier bereits soweit entschärft hat, dass es zu PR-Zwecken als Plattform/Programm publiziert werden kann, zeigt unsere Schwäche: Die unverbindliche Oberflächlichkeit unserer Absichtserklärungen; die Hohlheit, Ausgehöhltheit der grossen Wörter, die uns so locker von den Lippen gekommen sind.)

Deshalb muss uns das, was spätestens 1986 erstmals in grösserem Masstab unter dem Begriff der ‘Postmoderne’ von Westen her in den deutschsprachigen Raum geschwappt ist, ins Schleudern bringen. Da kommen welche, die schlecht und recht denken können und sagen: ‘Ihr habt mit eurem Geseiere überhaupt keinen Boden mehr unter den Füssen, streicht euch euren dialektischen Quark von Marx bis Habermas an den Arsch und kommt langsam auf den einzigen Boden zurück, den es (noch) geben kann: den der herrschenden Verhältnisse.’ Was wir wissen: Wer so redet, darf nicht recht haben. Was wir sehen: Die Umstände geben jenen, die so reden, täglich mehr recht.

Ich sage nicht, wir sollten hiermit auf den Zug der ‘Postmoderne’ aufspringen. Ich sage: Wir werden nicht darum herumkommen, die Welt neu zu denken, wenn uns gegen die ‘Postmoderne’ nicht plötzlich die Sprache ausgehen soll. (Ulrich Beck, der im Übrigen eher eine ‘Meta-’ als eine ‘Post-Moderne’ diagnostiziert, hält fest: ‘[Wir brauchen] Begrifflichkeiten, die […] das uns überrollende Neue neu denken und uns mit ihm leben und handeln lassen.’ [Beck, wie oben, S. 16])

5. Das Problem der Kulturberichterstattung

Die Logik des Kulturimperialismus bringt es mit sich, dass uns die Kulturproduktion von ausserhalb des deutschen Sprachraums vor allem von Westen her eindeckt. Das amerikanische und französische Kulturschaffen baut heute auf auf der ‘Postmoderne’-Debatte in den USA respektive jener um den Neostrukturalismus in Frankreich. Wir hier rezipieren diese Kulturproduktion allerdings anhand unserer neulinken Erklärungsmuster und werden deshalb Jahr für Jahr hilf- und begriffsloser: Wir müssen in Bausch und Bogen verurteilen, wo wir vorsichtigerweise zugeben müssten, dass wir immer schlechter drauskommen.

fl.

7/1/87»

(18/19.09.1997; 25.10. + 01.11.2017)

 

Nachtrag

Soweit ich mich erinnere, ist die Debatte um die Postmoderne in der Deutschschweiz (ausserhalb von akademischen Zirkeln) nicht geführt worden. Dafür lebe ich heute – glaube ich den grossen Medien – in einem weiterhin «modernen» Land, das mit der Spätmoderne der damaligen Schweiz nur noch wenig, jedoch mit vielem, was 1986 als postmodern beschrieben worden ist, immer mehr zu tun hat.

(1.11.2017; 26.06.2018)

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