Auso, dene schööne Sunntig

Sonntagvormittag, kurz vor zehn. Im Aufstieg nach Waldhäusern komme ich von Emmenmatt her durch den Weiler Blasen. Dort, wo sich der Fahrweg in einer Rechtskurve um das grösste Bauernhaus schwingt, kommt mir ein sicher Achtzigjähriger auf einem alten Fahrrad schwungvoll entgegen. In die Kurve liegend ruft er mir zu: «Auso, dene schööne Sunti!» Während ich verdutzt «Gliichfaus» murmle, fliegt er schon talwärts davon.

Später, in der Hitze des Mittags, geht mir nach Enggistein durch den Kopf: Je stärker ein Anwesen in diskret-gepflegt naturnaher Weise zugewachsen ist, desto unanständiger schillert durchs dichte Laub das Lebensnotwendige dieser habligen Anständigen. Immerhin jauchzt manchmal ein Kind im menschenfreundlich plätschernden Swimmingpool.

Dann hinunter nach Worb, heimzu.

(20.+30.08.2017; 26.04.2018)

 

Nachtrag

Spätabends Rückfahrt mit einem Bummelzug von Biel nach Bern. Ich steige eine Station vor dem Hauptbahnhof aus, um vom Wankdorf her durch die Quartiere zu Fuss nach Hause zu gehen. An der Winkelriedstrasse steht die Ampel auf rot. Der Föhn, der den Apriltag zum drückenden Vorsommertag gemacht hat, bricht eben zusammen, noch kein Regen, aber heftige, frische Windböen im neuen Laub der Bäume. Über die Strasse wirbelt ein leerer Plastikbecher durch die Luft.

Weit und breit kein Auto. Ich gehe bei rot über die Strasse, direkt auf das Stade de Suisse zu, das jetzt verlassen im Dunkeln liegt. Gestern Abend war hier ausverkauft, nach zweiunddreissig Jahren ist der Stadtclub YB wieder einmal Fussball-Schweizermeister geworden. Ein dramatisches Spiel gegen Luzern mit einem etwas glücklichen Sieg für die Einheimischen, wie mir zuhause vor dem Fernseher schien. Nach dem Abpfiff Szenen einer unglaublichen Begeisterung: Tausende stürmten auf den Rasen, jubelten, tanzten, tranken, schwenkten Transparente. Grossaufnahmen von hemmungslos weinenden Jugendlichen und von sich stürmisch küssenden Profifussballern.

Ich gehe an der Stirnseite des Stadions vorbei, zweige links in die Passage zwischen Station und Annexbau ab und dreihundert Meter weiter nach rechts durch die Papiermühlestrasse Richtung Guisanplatz: Überall spielen hier die Windböen mit tanzenden Dreideziliter-Plastikbechern. Vom Bier befreit ist nun auch ihnen noch eine kleine Meisterfeier vergönnt, bevor am Montagmorgen die Putzequipen kommen. Ich feiere mit.

Weiter dann Richtung Galgenfeld, heimzu.

(29.4., 02.+07.05.2018)

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