Stefan Howalds WOZ-Buch

Im Rotpunktverlag ist von Stefan Howald ein Buch zur bisherigen, 37jährigen Geschichte der Wochenzeitung WOZ erschienen. Ich habe es mir aus zwei Gründen sofort beschafft und gelesen (Buchvernissage ist am 5. April im Theater am Neumarkt in Zürich):

• Zum einen habe ich im «Stückwerk»-Teil «Ich, selbstverwalteter Redaktor» Notizen und Dokumente zu einem Mäander collagiert, die auf persönliche Weise meine gut neunzehn Jahre als Genossenschafter und Redaktor bei dieser Zeitung spiegeln sollen. Deshalb wollte ich überprüfen, ob aufgrund des Buchs in meinen Werkstücken redaktionelle Retouchen nötig würden. Ich habe einzig beim Werkstück «Läufelfinger Arbeitspapier» eine Fussnote gesetzt, um darauf hinzuweisen, dass im Buch dieses Papier auch dokumentiert wird.

• Howalds Buch bleibt absehbar das Standardwerk zu einem Thema, das ein Stück meiner Lebensgeschichte betrifft. Zwar hat mich der Autor am 30. Mai 2017 in Bern besucht und ich beantwortete seine Fragen aus der Erinnerung, so gut ich konnte. Und am 21. November mailte er mir dann jene Passagen seines Textes zu, in denen mein Name erscheint. Ich sah sie durch und bestätigte ihm anderntags, dass diese Textstellen «allesamt fair und sachlich geschrieben» seien. Aber trotzdem. (Ich bin ein misstrauischer Mensch.)

Der Eindruck, dass das Buch fair und sachlich verfasst worden ist, hat sich verstärkt, nicht nur was meine Person betrifft, sondern – soweit ich es beurteilen kann – in Bezug auf alle Erwähnten. Inhaltlich wird die Entwicklung des WoZ-Kollektivs und die Ausdifferenzierung der arbeitsteiligen Struktur der Produktionsgenossenschaft geschickt verknüpft mit den grossen innen- und aussenpolitischen Themen, wie sie sich in der Zeitung spiegelten. So lernt man nicht nur Sternstunden und Krisen eines alternativen Projekts, sondern auch die aus einer unabhängig linken Deutschschweizer Perspektive gewichtete Zeitgeschichte seit 1981 kennen.

Was das reich illustrierte Buch tatsächlich zum Standardwerk macht, ist der Anhang mit mehr als tausend Fussnoten und einem Namensregister, mit den Statuten der Genossenschaft infolink, mit den vollständigen Listen der WoZ- und WOZ-Bücher, der WOZ-Reisen, Statistischem zu Abo- und Einnahmenentwicklung und mit einer vollständigen Namensliste aller bisherigen GenossenschafterInnen.

Kurzum: Gratulation, Stefan. Dein Buch als Aussenblick steht nun für mich neben meinem 3. Mäander als Innenblick und hilft mir, mit vielem, was nicht gut und oft schwierig war, im Guten abzuschliessen. Danke.

Stefan Howald: Links und bündig. WOZ Die Wochenzeitung. Eine alternative Mediengeschichte. Zürich (Rotpunktverlag) 2018. – Rezensionen zum Buch:

Rainer Stadler: Eine Geschichte der Linken Presse (NZZ, 22.3.2018).

Richard Aschinger: Die WOZ lebt besser denn je – (k)ein Wunder (infosperber, 02.04.2018).

Roman Berger: Warum die WOZ trotz allem erfolgreich ist (Journal21, 27.06.2018).